Liebe Storchenfreunde,
unser Herz schlägt höher, wenn wir die Storcheneltern mit ihrem Nachwuchs per Kamera beobachten können.

Wir sollten aber bei aller Romantik nicht vergessen, dass unsere Störche in Markt Schwaben echte Wildstörche sind.

Was bedeutet das?
Wir greifen generell nicht in das Brutgeschehen ein!
Unsere Störche versorgen sich ausschließlich selbst mit Nahrung. Weder die Jungen, noch die Altstörche bekommen von uns zusätzliches Futter.

Es obliegt den natürlichen Faktoren Witterung und Nahrungsangebot, sowie der menschlichen Rücksicht zur störungsfreien Nahrungssuche, wie viele Junge letztendlich ausfliegen werden. Im Durchschnitt sind es bei uns 2, wir hatten aber auch schon mehrmals 4 Jungstörche.

Bitte lesen Sie auch einen separaten Hinweis.

Auch wenn in einer Brutsaison mal kein Nachwuchs hochkommt, ist es kein Problem zur Arterhaltung, da so langlebige Tierarten wie der Storch (über 20 Jahre) dies in den Folgejahren ausgleichen können.

Mitunter muss aber mit sinnvollen Biotopmaßnahmen unterstützt werden. Dies ist z. B. durch den ständigen und schleichenden Flächenverlust wegen Baumaßnahmen (Straßen-, Wohnungs- und vor allem bei Industrie- und Gewerbebauten im Außenbereich) ohnehin unumgänglich. Der Weg zu einer größeren Storchenpopulation ist also nur über landschaftsverbessernde Maßnahmen und noch größere Rücksichtnahme sinnvoll.
Was würde eine manipulierte und künstlich hochgeschraubte Storchenpopulation für einen Sinn machen, wenn das landschaftliche Umfeld und die Nahrungssituation dieser nicht entsprechen. Die Folge wären häufigere Horstkämpfe, teils mit Gelege- oder Jungenverlust und zusätzlichem Stress für die Altvögel.
So lange Verbesserungen für die Störche erfolgen, steigt ihre Anzahl kontinuierlich an, wie die beiden letzten Jahrzehnte beweisen.
Wenn alles optimal passt, werden Störche sogar zu Kolonienbrütern.

Doch auch für uns gibt es Ausnahmesituationen:
So hat sich 2006 unser Storch an beiden Fersen verletzt und war nicht mehr in der Lage zu jagen. Vermutlich wurde er aufgescheucht und ist dabei mit den Gelenken in einem Weidezaun hängen geblieben.
Der Tierarzt diagnostizierte eine beidseitige Kapselverletzung, deren Heilung er auf ca. 2 Wochen schätzte.
Derzeit waren 3 halbwüchsige Jungstörche mit großem Appetit im Horst.
Wir entschlossen uns zu folgender Unterstützungsmaßnahme:
Auf dem Flachdach der angrenzenden Hauptschule fertigten wir eine flache Wanne aus Teichfolie, die mit ca. 6-8 cm Wasser gefüllt wurde. Nun holten wir von der nahen Fischzucht Jungforellen, die ohnehin nicht mehr zur Aufzucht geeignet waren (Ausschuss) und setzten sie in dem neuen „Hausdach-Biotop“ ein.
Während die Störchin wie gewohnt jagte und die Jungen versorgte, brauchte das Männchen nur 10 Meter vom Horst wegzufliegen um sich der Forellen zu bedienen. Er sättigte zuerst sich selbst und transportierte dann noch reichlich Fisch zu seinen Jungen, um sich anschließend wieder im Horst zu schonen.
Nach 10 Tagen konnten wir unser „Biotop“ wieder auflösen.
Es flogen alle 3 Jungstörche aus!

Wenn Altstörche gefährlichen Müll als Nistmaterial eintragen und für die Jungen Lebensgefahr besteht, wird dieser aus dem Horst entfernt. Innerhalb der vergangenen 15 Jahre war dies nur zweimal notwendig.

Was passiert mit toten Jungstörchen?
Sie liegen bis zu 3 Tage im Horst. Von den Altvögeln werden sie dann nicht mehr als Nachwuchs erkannt und darum weiterverwertet. Erlaubt es die Größe noch, werden sie ganz geschluckt, vorverdaut und an die Geschwister verfüttert oder dienen als Nahrung für den Altstorch selbst. Sind sie schon größer, werden sie vom Altstorch aufgebrochen und der Inhalt wird wieder verwertet. Der verbliebene Balg mit Kopf und Ständern (Füße) findet mitunter noch als Horstmaterial Verwendung.
Schaffen wir es unsere menschlichen und ethischen Regungen kurz auszuklammern, müssen wir erkennen, dass dies alles durchaus Sinn macht.
Altstörche erlösen mitunter einen Jungvogel vor einem langwierigen Hungertod. Wenn die Nahrung nicht für die vorhandene Brut ausreicht und ein Jungvogel schon deutlich zurückliegt, kann es vorkommen, dass ein Altvogel diesen mit dem Schnabel am Hals ergreift und heftig zu Tode schüttelt. Dies ist sicher nicht schön anzusehen, aber eben Natur.

Durch die Kamera findet das Leben in unserem Horst mit all seinen Sonnen- und Schatten-Seiten für jeden sichtbar statt.

Stellen Sie sich bitte darauf ein, dass nicht alle Jungen überleben werden und freuen Sie sich mit uns über jeden kräftigen Jungstorch der es geschafft hat.